Für alle statt für wenige


Nico Zobrist

6. April 2019

Unser Mitglied Nico Zobrist kandidiert auf der JUSO-Liste für den Nationalrat.
Lucia Engeli hat Nico in einem Interview spannende Fragen gestellt.

Du warst im Jugendparlament des Kantons Aargau und hast dich in Unterentfelden schon für viele Projekte aktiv engagiert, nun nominierter Kandidat für die Nationalratswahlen auf der JuSo-Liste. Wie bist du zur Politik gekommen?

Bei mir wurde schon immer zu Hause viel politisiert und diskutiert, mit meinem Vater habe ich schon als kleines Kind Flyer gegen Atomkraftwerke verteilt. Meine Mutter war für die SP im Grossrat und im Stadtrat von Brugg, mein Grossvater war gleichzeitig mit seinem Vater Mitglied der sozialdemokratischen Fraktion des Grossrats. Vor ungefähr drei Jahren habe ich Flyer für Urs Hoffmanns Regierungsratswahlkampf verteilt und bin dann ziemlich schnell SP Mitglied geworden, die sozialdemokratischen Werte haben mich überzeugt.

Welche Eigenschaften deiner Persönlichkeit qualifizieren dich besonders für einen Nationalrat?

Ich denke, dass ich mich sehr gut für verschiedene Themen interessieren kann und darüber auch gerne viel lerne. Meine politische Karriere hat mehr oder weniger mit Basisarbeit begonnen und auch noch heute macht mir der Austausch und das Gespräch mit Leuten extrem viel Spass. Nicht nur beim Sammeln von Unterschriften zeigt sich mein Durchhaltevermögen, nebst visionären Ideen betreibe ich aber auch eine sehr lösungsorientierte und kompromissbereite Politik, z.B. in der Gemeinde oder beim Zukunftsraum Aarau, das Ziel einer sozialdemokratischeren Zukunft verliere ich dabei jedoch nie aus den Augen.

Welche drei Hauptthemen hast du dir auf die Fahne geschrieben, und warum?

Ich betreibe eine Politik für eine solidarischere, gerechtere und ökologischere Welt. Solidarität heisst für mich, dass alle Menschen ein würdiges Leben führen können und dass unsere Gesellschaft ein Auffangnetz bietet, mit welchem niemand durch die Maschen auf den Boden fallen kann. Gerechtigkeit kann auf vieles angewendet werden, z.B. die Steuergerechtigkeit, nach meiner Meinung müssen breite Schultern mehr tragen, also auch mehr Steuern bezahlen. Ein wichtiger Punkt ist die ökologischere Welt, unserer Erde und unserem Klima muss Sorge getragen werden, sodass auch künftige Generationen unseren Planeten voll geniessen können. Denn auch sie besitzen das Recht auf eine Zukunft!

Hast du ein politisches Vorbild? Wer?

Nebst den Mitgliedern meiner Familie bewundere ich die Auftritte und Reden vom ehemaligen JUSO Präsidenten und jetzigen Nationalrat Cédric Wermuth, auch die Rhetorik vom deutschen Parlamentarier Gregor Gysi gefällt mir.

Welcher Politiker oder politische Philosoph bringt die Argumente am Besten auf den Punkt? Was ist deine (politologische) Lieblingslektüre?

Ich versuche meine Position möglichst unabhängig zu wählen. Ich lese regelmässig die WOZ (die Wochenzeitung), habe die Autobiografie von Gregor Gysi gelesen. Auch mit Karl Marx versuche ich mich auseinanderzusetzen, spannend ist, dass einige Beobachtungen unseres Systems noch immer zutreffen, auch wenn Marx vor ungefähr 200 Jahren lebte, spannend dazu ist das Buch MarxNoMarx von Beat Ringger und Cédric Wermuth.

Welche politischen Geschäfte hast du schon unterstützt, die gut gelungen sind?

Als noch 17 jähriger ist es relativ schwierig, sich in der institutionellen Politik zu betätigen. Neben der Transparenz-Initiative, die die Transparenz unserer Demokratie fördern will, habe ich auch Unterschriften für die 99-Prozent Initiative gesammelt. Die 99-Prozent Initiative möchte Kapitaleinkommen endlich gerecht besteuern. Auch beim Zukunftsraum Aarau habe ich mitgeholfen, unsere neue Kantonshauptstadt sozialdemokratisch zu gestalten.

Deine Partei ist sehr aktiv bei den Klima-Streiks, du hast bestimmt auch schonmal teilgenommen. Falls du gewählt würdest, wie würdest du die Forderungen der Klimajugend im Nationalrat einbringen? Wofür würdest du dich konkret einsetzen?

Genau, auch während meines Austauschjahres in Vancouver habe ich am globalen Klimastreik teilgenommen. Die Klimajugend stellt legitime Forderungen auf, die ich voll und ganz unterstütze. Ich finde die Forderung nach Klimagerechtigkeit sehr wichtig, denn der Klimawandel verstärkt momentan noch viele globale Ungerechtigkeiten und soziale Probleme. Gerne würde ich auch den öffentlichen Verkehr fördern, z.B. mit gratis ÖV für junge Leute und noch besserem Angebot. Als Segelflugpilot kenne ich auch die Verfahren der Luftfahrt, eine Flugticketabgabe könnte den CO2 Ausstoss der Luftfahrt senken, wichtig bei allen Massnahmen ist jedoch, dass sie keine weiteren sozialen Probleme mit sich ziehen.

Wie würdest du dich konkret für mehr soziale Gerechtigkeit einsetzen? Was wäre ein geeigneter Ansatz hierfür?

Soziale Gerechtigkeit hat viele Facetten, unsere Sozialsysteme wie die AHV oder IV leisten einen wichtigen Beitrag dazu. Der Sozialabbau der Bürgerlichen muss abgewehrt werden und unser Gesundheitssystem muss sozialer werden, z.B. mit einer Beschränkung der Krankenkassenprämien auf 10% des Einkommens.

Gleichstellung der Geschlechter ist ein Thema, welches aktuell im Frauenjahr oft diskutiert wird. Wo siehst du die Hauptprobleme hier? Welche Forderungen würdest du in Bern stellen, um hier fairere Bedingungen zu schaffen?

Die Gleichstellung der Geschlechter liegt mir sehr am Herzen, wir müssen den unerklärbaren Lohnunterschied bekämpfen, Frauen in Politik und Wirtschaft fördern und uns gegen Sexismus wehren.

Warum sollte man dich als JuSo-Kandidatin wählen und nicht jemanden von der Grünen Partei? Was ist der entscheidende Unterschied?

Die Grünen sind im Nationalrat oft gleicher Meinung mit der SP Fraktion, das tolle an der JUSO ist, dass wir unser Ziel einer Gesellschaft der Menschen statt der Profite nie aus den Augen verlieren und auch visionäre Ideen in Betracht ziehen. Wichtig ist jedoch, die Linke zu wählen und die Stimme nicht an wirtschaftsliberale Parteien wie die SVP, FDP, CVP oder GLP zu schenken, denn nur wir, die linken Parteien, setzen uns für eine Gesellschaft für alle statt für wenige ein.

Was machst du, wenn du gerade mal nicht politisch aktiv bist? Was sind deine Hobbies?

Wie bereits erwähnt fliege ich Segelflugzeuge, mir gefällt es, mit der Kraft der Natur (Thermik) ohne Motor zusammen mit Vögeln leise über die Natur zu gleiten. Im Sommer versuche ich, joggen zu gehen und im Winter bin ich auf Skitouren anzutreffen, ich bin also immer gerne in der Natur. Daneben besuche ich auch die Neue Kantonsschule Aarau, den Unterricht dort finde ich meistens interessant und ich bin im Schüler*innenrat tätig.

Gibt es noch etwas anderes, was du sagen wolltest?

Diesen Herbst haben wir die Chance, den Rechtsrutsch der letzten Wahlen zu korrigieren und eine Politik für alle statt für wenige zu betreiben. Die Wahlen können wir jedoch nur gemeinsam gewinnen! Dann können wir ein Zeichen gegen Rassismus, Sexismus und Populismus setzen. Wenn wir an einem Seil ziehen, können wir unser Klima schützen und eine Politik für Menschen statt Profite betreiben.

Weitere Infos über Nico findest du auf seiner Webseite: www.nicozobrist.ch




SP vor Ort