Für alle statt für wenige


  • Wahlkampfauftakt

    Am Dienstag, 20. August 2019 um 18:30 Uhr beginnt der Wahlkampf für Lara Hitz und Nico Zobrist. Die beiden kandidieren auf der JUSO-Liste für den Nationalrat.

  • Interview mit Heinz Lüscher

    Heinz ist Gemeindeammann in Unterentfelden. Lucia Engeli hat mit ihm ein Interview führen können.

    Seit 2006 bist du Gemeindeamman in Unterentfelden. Davor warst du gewerkschaftlich tätig und hast dich stets für faire Bedingungen der Arbeitnehmer starkgemacht. Gibt es zu diesem Thema Veränderungen, die du in den letzten Jahren miterlebt hast?
    Aus meiner Sicht haben die Mitarbeitervertretungen in den letzten Jahren an Einfluss verloren. Dies hat sicher unter anderem damit zu tun, dass bei internationalen Konzernen das oberste Management oft nicht in der Schweiz ist. Der Einfluss der Manager vor Ort ist eingeschränkt. Es wäre dringend nötig, den Einfluss der Mitarbeiter-Vertretungen zu stärken, damit auch bei Themen wie Aus- und Weiterbildung, Arbeitszeiten, Schichtreglementen, Sozialplänen, Gesamtarbeitsverträgen, Urlaub- und Ferienregelungen etc. die in der Schweiz erarbeitete Sozialpartnerschaft durchgesetzt werden kann.               

    Was muss man für Eigenschaften haben, um sich für die Arbeit als Gemeindeamman zu qualifizieren?
    Wichtig sind meiner Meinung nach das Verständnis für die demokratischen Abläufe in der Gemeinde, der Wille zur Zusammenarbeit auch über Parteigrenzen hinweg sowie das Akzeptieren und Pflegen der „Spielregeln“ einer Kollegialbehörde. Natürlich braucht es auch Führungseigenschaften, man muss zuhören können und damit leben können, ein Stück weit in der Öffentlichkeit zu stehen. Kompromissbereitschaft  und Gesprächsbereitschaft ist ebenfalls wichtig. Ausserdem muss man die Zeit dafür aufbringen können, d.h. Beruf und Amt vereinbaren können. 

    Der Gemeinderat tagt hinter geschlossenen Türen. Wie stellst du sicher, dass ihr Entscheidungen im Sinne der Bürgerinnen fällt?
    Ich führe viele Gespräche, wenn möglich mit Befürwortern und Gegnern eines Geschäftes. Ich versuche, zusammen mit den Ressortinhabern im Gemeinderat und der Verwaltung ein möglichst vollständiges Bild über die Auswirkung eines Entscheides zu machen. So bilde ich mir meine Meinung, die ich dann in die Diskussion im Gemeinderat einbringe. 

    Seit 2017 hast du nun einen Mitstreiter aus der SP im Gemeinderat. Was hat sich seither für dich verändert?
    Es ist für mich eine willkommene Unterstützung, einen Kollegen aus der SP im Gremium zu haben, vor allem auch bei schwierigen Diskussionen und Entscheiden. Ich habe nun die Gelegenheit, Themen aus ‚SP-Sicht‘ mit Alfred zu diskutieren. Aber auch allgemein anstehende Entscheidungen kann ich mit ihm besprechen. 

    Gibt es konkrete Projekte, die aufgrund dieses ‚Links-Rutsches‘ im Gemeinderat erst zustande gekommen sind?

    Ich denke, dass sich bei der Diskussion und der Entscheidung für Tempo 30 die 2-fache SP Vertretung im Gemeinderat  ausgewirkt hat.

    Du bist schon viele Male wiedergewählt worden. Wie schaffst du es, dass die Leute dir vertrauen?
    Ich versuche, den Menschen in seiner spezifischen Situation mit seinem Anliegen ernst zu nehmen, auch wenn wir unterschiedlicher Meinung sind. Es ist wichtig, dabei meine Funktion in den Vordergrund zu stellen und nicht mich selbst, dennoch muss ich auch mich selbst bleiben. Es ist mir ein Anliegen, meine Entscheidungen erklären zu können, und andere Meinungen zu akzeptieren. Ich vertrete keine „abgehobenen“ Haltungen, sondern stelle mich in den Dienst der Bevölkerung. Ich denke, dass das alles mich glaubwürdig macht. 

    Welche drei politischen Geschäfte der letzten 13 Jahre sind gelungen und machen dich ein bisschen stolz?
    Das Projekt Zukunftsraum Aarau, die Neuorganisation des Planungsverbandes aarau regio und die Gründung des Forstbetriebes Region Aarau, zusammen mit Biberstein und Aarau. Bei diesen Geschäften war ich bei den Vorbereitungen und Entscheidungen beteiligt und sie verliefen in meinem Sinne – der Zukunftsraum Aarau ist aber noch nicht abgeschlossen.

    Was sind die zwei lustigsten Erlebnisse im Zusammenhang mit der Arbeit im Gemeinderat?
    Aus heutiger Sicht finde ich meine allererste Gemeinderatssitzung eine lustige Erinnerung: Der Gemeindeschreiber hat mich angerufen, ob ich auch kommen könnte – ich hatte die Sitzung schlicht und einfach vergessen. Eine Begebenheit im Restaurant: Ich sitze mit einigen Leuten am Stammtisch, eine Person kritisiert den Gemeinderat heftig, weil er  mit einem Entscheid absolut nicht zufrieden ist. Er kennt mich offensichtlich nicht. Ein anderer Gast erklärt ihm vorsichtig, dass ein Gemeinderat am Tisch sitzt, was ihm nach einigem Bemühen auch gelingt. Diese Situation hat mich köstlich amüsiert.

  • Interview mit Alfred Stiner

    Alfred ist Gemeinderat für die SP Unterentfelden. Lucia Engeli hat ein spannendes Interview mit Alfred führen können.

    Du amtierst seit 2017 als Gemeinderat von Unterentfelden. Als Unterentfelder ‚Ureinwohner‘ kennst du das Dorf in- und auswendig. Hat die Arbeit im Gemeinderat deinen Blickwinkel verändert?
    Ja, ich wohne wirklich schon seit meinem Geburtsjahr (1962) in Unterentfelden. Bereits vor meiner Wahl in den Gemeinderat war ich in verschiedenen Funktionen in Kommissionen und Vereinen, da mir das Wohl der Gemeinde und ihrer Einwohner/innen stets sehr am Herzen lag. Zuletzt in der Finanzkomission konnte ich auch schon in der Exekutivarbeit Erfahrungen sammeln. Die Zeit als Gemeinderat erlebe ich als spannende und intensive Zeit: Man bekommt eine ordentliche Menge an Lesestoff, und auch nach bald 1 1/2 Jahren muss ich noch zu gewissen Themen die gesetzlichen Bestimmungen oder Reglemente nachschlagen. Mir gefällt es, mit der Bevölkerung im Kontakt zu sein und diese im Gemeinderat zu vertreten. 

    Bestimmt hast du dir einiges vorgenommen, bevor du die Arbeit als Gemeinderat antratest. Konntest du schon Dinge in diese Richtung bewegen, oder mahlen die Mühlen langsamer?
    Schon im Wahlkampf habe ich mich zu einer kulturellen und gesellschaftlichen Vielfalt und zu sozialen Werten in unserer Dorfgemeinschaft bekennt. Als ausgewiesener Finanzfachmann liegt mir ausserdem ein ausgeglichener, zukunftsorientierter Finanzhaushalt sehr am Herzen wie auch die Förderung von Wohnqualität und Standortattraktivität. Die Einführung von Tempo 30 flächendeckend auf dem gesamten Gemeindegebiet freut mich natürlich sehr, im Dezember 2018 durfte ich dieses Geschäft ja auch an der Gemeindeversammlung vertreten und es wurde mit grossem Mehr angenommen. 

    Als Sozialdemokrat bekennst du dich zu sozialer Gerechtigkeit. Du setzt dich dafür ein, dass Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen ein würdiges Leben leben können. Gibt es Bereiche, wo Unterentfelden diesbezüglich Schwachstellen hat? und gibt es Bereiche, auf die wir stolz sein können? 
    Ich bin der Meinung, dass in Unterentfelden keine richtigen Schwachstellen bestehen, obwohl natürlich trotzdem Verbesserungspotential besteht. Wichtige Angebote sind aus meiner Sicht der Jugendtreff JET, der Jugendlichen eine Möglichkeit bietet, sich in ihrer Freizeit zu begegnen und ihren eigenen Raum mitzugestalten. Für Senioren stehen in der Alterssiedlung Chreesegge grosszügige Alterswohnungen mit zeitgemässem Komfort zur Verfügung, für die jungen Einwohner steht seit vier Jahren die Kindertagesstätte Äntenäscht offen. Für die in Unterentfelden untergebrachten Flüchtlinge wurde durch Einsetzen einer Integrationskommission im Frühling 2017 ein bereits vorher bestehender Deutschunterricht für Fremdsprachige ausgebaut, wo Freiwillige sehr engagiert unterrichten. Auch gibt es den EssPunkt für Asylsuchende: zweimal monatlich treffen sich viele Familien in Unterntfelden und stellen ein gemeinsames Buffet zusammen, hier werden Kontakte geknüpft, Alltagsthemen diskutiert und Fragen beantwortet. Der Natur- und Vogelschutzverein organisiert Einsätze im Naherholungsgebiet an der Suhre, und zweimal pro Monat finden unter dem Namen Treffpunkt Rössli Spiele, Sport und kulturelle Angebote in der Asylunterkunft statt, ebenfalls auf der Basis von Freiwilligenarbeit. Auf all dieses Engagement dürfen wir stolz sein! 

    Du hast neben deiner Arbeit im Gemeinderat einen sehr verantwortungsvollen, anstrengenden Job. Welche Bereiche hast du zurückfahren müssen, damit die Gemeinderatssitzungen in deiner Agenda Platz fanden?
    Mein Arbeitgeber, der Kanton Aargau, unterstützt die Exekutivtätigkeiten seiner Mitarbeitenden vorbildlich. Ich kann meine Arbeitszeit sehr flexibel gestalten und gleichzeitig habe ich mein Arbeitspensum auf 80 % reduziert. Auch im privaten Bereich gilt es natürlich, Prioritäten zu setzen.

    Wenn man sich viel für andere einsetzt, darf man nicht vergessen, auch für sich selber zu schauen. Wie tankst du auf?
    Meine Privatsphäre ist mir sehr wichtig. Die Wochenenden, besonders die Sonntage gehören meinem Mann Ralf, meiner Familie und meinen Freunden und Bekannten. Energie tanke ich auch bei Gartenarbeiten, beim Kochen, auf Spaziergängen und bei vielen interessanten Begegnungen mit den unterschiedlichsten mir nahe stehenden Menschen.